Februar 2011

 

Oh je, Februar ist auch schon vorbei! Meine einzige Entschuldigung dafür, dass ich jetzt erst schreibe ist die Tatsache, dass ich nicht so genau wusste, was ich erzählen soll. Es hat sich ein gewisser Rhythmus in unserem Leben hier eingestellt, der sich wahrscheinlich nicht sehr von Eurem unterscheidet.

Ich habe mich daher entschieden, euch mehr Fotos zu zeigen und das ist auf einer Internetseite etwas leichter, weil ich dann keine schweren Beilagen mit Emails verschicken muss. (Wenn man mit der Maus über die Fotos geht, erscheint eine größere Version.)

Hier sind ein paar Bilder von einer Fahrt nach Castelo Brance, ungefähr 80km östlich von hier. Castelo Branco ist die Hauptstadt unseres "distrito", so etwas wie ein Landkreis.




Wir waren noch nie dort gewesen und eines Tages bat unser Nachbar Januario uns, mit ihm dorthin zu fahren, damit er einen Termin im Krankenhaus wahrnehmen kann. Wir fragten ihn, warum er nicht mit dem Taxi fährt wie normalerweise und er meinte, der Taxifahrer hätte gesagt, er könnte nicht rechtzeitig dort sein. So haben wir uns also um 7Uhr morgens auf den Weg gemacht. Es war eine sehr interessante Fahrt durch eine schöne Landschaft und es soll hier auch Gold besonders in einem Fluss geben. Wir kommen also rechtzeitig gegen 9Uhr am Krankenhaus an und das erste, was wir sehen...das Taxi aus Pedrogao Pequeno. Zunächst war Januario zu keiner Erklärung bereit, aber später stellte sich heraus, dass der Taxifahrer irgendein entfernter Cousin ist, mit dem er gerade einen Zwist hat und er hatte keine Lust, zweimal eineinhalb Stunden mit dem guten Mann im selben Fahrzeug zu sitzen...

 

Hier ist ein Bild von meiner Orangenmarmeladenherstellung.

Es hat eine Weile gedauert bis ich – nicht dem englischen Kulturkreis entstammend – die Hohe Kunst der "Marmelade"-Herstellung halbwegs begriffen hatte. Nach einigen inakzeptabelen Versionen waren die Götter mir dann doch gnädig und die "Tarmelade" war erfunden! (Leider funktioniert dieses Wortspiel auf deutsch nicht. Ein Topf mit dem süß-bitteren Gebräu war sehr dunkel ausgefallen und erinnerte mich an Teer, auf englisch "tar".)

Um im Thema von Ackerbau und Viehzucht zu bleiben, wir haben natürlich auch dieses Jahr wieder die unverzichtbaren Kohlpflanzen im Garten. Unsere Nachbarin Adelia sorgt gewissenhaft dafür, dass wir ausreichend versorgt sind. Wenn die Pflanzen in den Boden kommen, bleiben sie dort erst einmal für eine ganze Weile vollkommen schlapp liegen, manchmal dauert es zwei oder drei Wochen bis sie ihre Köpfe erheben. (Fahr mit der Maus über das Bild um den vorher-nachher Effekt zu sehen.)

Für die Portugiesen sind diese Pflanzen tatsächlich unverzichtbar, sie dienen als Futter für Mensch und Tier, brauchen keine Pflege und müssen im Sommer nicht gegossen werden. Man pflückt einfach soviele Blätter wie man braucht und die Pflanze wächst immer nach. Sie wird ca. 1,50m hoch.

Ansonsten ist im Moment am meisten Computerarbeit angesagt. Ich habe mich inzwischen mit neuer Software vertraut gemacht und der aktuellen Methode, mit der Websites jetzt gebaut werden. Aber für mich als Späteinsteiger und Autodidakt ist das Lernpensum unendlich. Es ist inzwischen so, dass professionelle Webdesigner im Team arbeiten und jeder sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert, weil es für eine Person beinahe unmöglich ist, alle Disziplinen zu beherrschen. Ich gehe einfach mit den Erfordernissen, die unsere Kunden an mich herantragen und lerne jedesmal das, was es zu realisieren gilt. Es ist ja sowieso alles in sehr kleinem Rahmen. Ich habe jetzt die deutsche Version der Goldwaschprodukte fertig, eine neue Seite für einen Spanferkelgrill und eine für eine Freundin von uns, die eine Tierpension hat. Das ist eine ganz nette Seite mit ein paar schönen Fotos. Hier ist der Link: Pocinhos

Im Januar habe ich noch eine Plane für einen jungen Engländer genäht, der hier ein Stück Land gekauft hat, aber im Moment nur einen umgabauten Pferdewagen dort stehen hat, den er abdecken wollte. Toby ist ein Trapezkünstler und reist die meiste Zeit in der Welt herum. Er hat einen Teil seiner Kindheit in Portugal verbracht und die Eltern sind nach England zurück gegangen als er 16 war. Jetzt hat er sein eigenes Stück Land hier und möchte auf lange Sicht wieder so leben wie er es als Kind gekannt hat.

Und dann war da natürlich noch Januario's Geburtstag. Ein von langer Hand vorbereitetes Event. Mark hatte die Idee gehabt, diesen Geburtstag richtig zu feiern und irgendwo hinzugehen. Es war Januario's Wunsch, ins Restaurant der freiwilligen Feuerwehr zu gehen. Es ist eigentlich mehr eine Kantine, aber es hat einen sehr guten Ruf unter den Portugiesen. Letztendlich waren wir mit 16 Leuten dort und haben den Abend in einem eiskalten Speisesaal mit Fernsehberieselung verbracht, aber es war ein Hit. (Bildvergrößerung mit der Maus wie oben).

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So sehr, dass Januario sich eine nächste Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte. An meinem Geburtstag hatten wir Freunde hier und haben das Mittagessen über den ganzen Nachmittag ausgebreitet. Januario kam ein paar Mal vorbei, aber da wir meistens nicht verstehen, was er so alles erzählt haben wir uns da nichts weiter bei gedacht. Abends um sieben stand er dann hier geschniegelt und gespornt vor der Tür und meinte wir sollten dann jetzt mal gehen. Wir wussten von nichts und waren auch noch im vollen Verdauungsprozess begriffen. Ganz vorsichtig wollten wir uns für diesen Abend entschuldigen, hatten aber nicht mit einem Wutausbruch seinerseits gerechnet. Er hätte das schließlich mit der Köchin bei der Feuerwehr abgesprochen, dass wir heute abend alle wiederkommen und wir würden ihm sowieso nie richtig zuhören und immer nur Bahnhof verstehen usw. Wild mit seinem Stock fuchtelnd ist er dann in der Dunkelheit verschwunden. Wir haben uns dann doch etwas Sorgen gemacht und sind ihm etwas später gefolgt. Wir fanden ihn dann bei einem Nachbarn, den er inzwischen überzeugt hatte, das Essen, das seine Frau gerade gemacht hatte, stehen zu lassen, um mit ihm zur Feuerwehr zu gehen. Wir sind dann schließlich zu fünft im Auto des Nachbarn (der schon nicht mehr so ganz gerade fahren konnte) in die Stadt gefahren. Mark hat dann doch noch eine Portion Pommes verdrückt und ich habe zugeschaut, wie die anderen drei eine enorme Portion Fleisch und Reis und Pommes und Kohl verspeist haben. Um des Friedens im Dorf willen...