August 2011

 

Hallo Ihr Lieben die Abstände zwischen meinen Rundbriefen scheinen sich zu verlängern! Ich habe gerade gesehen, dass mein letzter vom März stammt. Nun gut, aber dafür gibt es auch ein bisschen etwas zu erzählen.

Wie überall in Europa, hatten auch wir hier eine Volkszählung. Allerdings hatten wir das irgendwie nicht so ganz mitbekommen und als die Herren mit all den Papieren hier vor der Tür standen, wusste ich gar nicht, was sie von uns wollten und habe sie abgewimmelt. Einige Zeit später kam unsere Nachbarin, die von irgendjemandem gehört hatte, dass wir die Volkszählungsformulare nicht ausgefüllt hatten und meinte, wir sollten das schleunigst nachholen, denn sonst würde die Polizei demnächst hier auftauchen. Wir haben das dann auch brav getan und es stellte sich heraus, dass sie eigentlich nur an der Anzahl der hier lebenden Menschen interessiert waren, der Rest war ihnen egal, und je mehr desto besser. Erst später haben wir erfahren, dass man eine Buße bezahlen muss, wenn man die Formulare nicht ausfüllt. Das ist uns dann dank unserer Nachbarin erspart geblieben.

Kurz vorher hatten wir entschieden unserer Sorge mit unserem englischen Toyota angehalten zu werden, ein Ende zu setzen und nach einem portugiesischen Auto Ausschau gehalten. Bei unserem Minimalbudget war das Angebot natürlich nicht allzu groß, aber wir haben dann doch einen kleinen Suzuki Swift gefunden, der zwar schon 20 Jahre auf dem Buckel hatte, aber sehr gut in Ordnung schien. Angesichts der Tatsache, dass die Batterie nicht mehr wirklich zu gebrauchen war, hat Mark den Verkäufer ein wenig heruntergehandelt und wir haben das gute Stück für 475EUR mitgenommen. Es war ein junger Mann, der den Wagen von private verkauft hat und er hat uns mit der ganzen portugiesischen Bürokratie geholfen. Auf dem Nachhauseweg, fing der Wagen jedoch an zu stottern (die Probefahrt war vollkommen problemlost verlaufen). Es hat uns einige Zeit gekostet herauszufinden, dass es an den Zündkerzen lag. Letztendlich mussten wir nur eine ersetzen und ein Zündkabel und seitdem läuft der Wagen ohne Probleme und zu unserer großen Erleichterung haben wir ihn anstandslos durch den TÜV bekommen. Jetzt müssen wir nur noch den Toyota loswerden. Mark will ihn für Motor, Getriebe usw verkaufen, denn es funktioniert alles einwandfrei.

An Marks Geburtstag waren wir in Lissabon. Es war schon lange sein Wunsch, die Stadt einmal zu sehen und jemand hatte uns von einem Flohmarkt erzählt, der sehr gut sein sollte. Wir sind also zum nächstegelegenen (60km entfernten) Bahnhof gefahren und dann mit dem Zug nach Lissabon. Die Fahrt selbst ist nicht wirklich interessant, aber der alte Teil von Lissabon, in dem man landet, wenn man bis zur Endstation fährt, ist sehr schön. Wir hatten das Gefühl, dass alles sehr entspannt zugeht und sind auch nicht belästigt worden. Aber andere Leute, die dort gewesen sind, haben andere Erfahrungen gemacht. Es gibt doch ziemlich viel Kriminalität und Drogenhandel und je nachdem, wo man ist, bekommt man das auch mit. Wir haben nur einen ganz kleinen Teil der Stadt gesehen, weil wir zu Fuß unterwegs waren und auch nicht so viel Zeit hatten, aber was wir gesehen haben, hat uns sehr gefallen. Lissabon erscheint weniger "heruntergekommen" als Porto. Wobei dieser Aspekt in Porto auch seinen Charme hat. Hier sind ein paar Bilder (klicke auf das Foto oben):


Den größten Teil dieses Sommers habe ich mit einem Mega-Nähprojekt verbracht. Bekannte von uns richten gerade eine Art Gruppenzentrum ein und für die Gruppenaktivitäten (z.B. Yoga) haben Sie eine 7m Jurte, für die ich die Bedeckung genäht habe. Das Ding ist nicht nur riesengroß (für das Dach allein habe ich 100m2 Stoff verarbeitet), sie wollten auch ein zugeschnittenes Dach, runde Fenster und Fliegengitter überall. Ach ja, und einen lila siebenzackigen Stern für obendrauf. Ich gebe zu, dass ich schon ein bisschen unsicher war, weil ich so etwas in dieser Größenordnung noch nie gemacht hatte und auch weil ich bei der Arbeit ganz auf mich gestellt war. Letztendlich hat aber doch alles geklappt und mein Auftraggeber hatte zwar einige Verbesserungsvorschläge, war aber im Großen und Ganzen zufrieden.

 

 

 

 

 

 

Hier sind ein paar Bilder von einem Ort namens Sao Simao, nicht so weit von hier. Es ist ein sogenanntes Schieferdorf. Es gibt einige Dörfer in der Region, die nach altem Stil hergerichtet wurden oder werden. Manchmal werden neue Häuser dazugebaut, aber der alte Stil wird mit modernen Materialien nachgeahmt. (Auch aufs Foto klicken)

 

 

 

Und dann war da noch die Geschichte mit der Katze...Alles fing an mit einem Bild, das Mark auf einem kleinen Flohmarkt hier in der Nähe einer Malerin abgekauft hatte. Es ist ein Bild von einer Tigerkatze mit ziemlich ärgerlichem Blick und es heißt auch "The angry cat". Irgendwie war Mark von dem Bild fasziniert, es erinnerte ihn an mexikanische Kunst. Wir hatten das Gemälde kaum eine Woche im Haus als eine Tigerkatze bei uns auftaucht, sichtlich abgemagert. Wir haben ihr ein bisschen Futter gegeben und am nächsten Tag war sie wieder da. Ich wollte mich eigentlich nicht so engagieren, weil wir zwei Haus-Sits zugesagt hatten und beinahe zwei Monate nicht hier sein würden und ich wusste, dass niemand anders für die Katze sorgen würde. Aber dann haben beide Haus-Sits sich zerschlagen und die Katze kam weiterhin und blieb immer länger bei uns. Nach ungefähr zehn Tagen sitzt sie vor der Tür und maunzt und dann höre ich noch ein Maunzen und finde ein kleines Kätzchen auf der Treppe. Nach einer Weile kommt die Mutter mit noch einem und dann mit einem dritten. So hatten wir dann plötzlich eine Katzenfamilie im Haus. Ein paar Tage bevor wir umziehen mussten. Glücklicherweise ist das Haus, wo wir jetzt wohnen, im selben Dorf und es hat eine große abgeschlossene Terrasse, sodass die Kleinen sich frei bewegen können. Das heißt, sie sind inzwischen schon nicht mehr so klein und wir hoffen, dass wir für zwei von ihnen bald ein gutes Zuhause finden. Den Kleinsten wollen wir behalten, er kommt am besten mit der Mutter zurecht und ist auch uns am nächsten. Wir haben viel Freude an den Samtpfoten, aber vier können wir uns leider nicht leisten. (Klick auf das Bild oben für mehr Fotos).

Das Haus, in dem wir jetzt wohnen, gehört einem älteren Ehepaar im Dorf. D.h., eigentlich gehört es schon dem Sohn und es ist für eines der Enkelkinder bestimmt. Aber die Familie des Sohns wohnt in Lissabon und die Kinder sind auch erst 10 und 16. Es hat einige Jahre leergestanden, nachdem die Eigentümer das Dach haben erneuern lassen und das Haus von außen verputzen. Es sieht ganz toll aus, ist innen aber unrenoviert. Die Zimmer sind recht gut in Ordnung, abgesehen von ein paar Rissen in den Wänden, alten Fenstern und wurmstichigem Holz, aber das Ganze hat sehr viel Charme. Allerdings gibt es keine Küche und kein Bad. Wir haben in einem der Räume einen Gasherd stehen und dort ist auch eine Art Küchenschrank und im hinteren Teil des Hauses, das zu Küche und Bad umfunktioniert werden soll, haben wir eine Komposttoilette (Eimerprinzip). Letzteres hatte ich mir wesentlich unangenehmer vorgestellt als es ist. Man muss halt den Eimer sehr regelmäßig leeren und auswaschen, das Ding gut in der Kiste positionieren und immer genug Erde bereit haben. Aber davon gibt es hier ja genug. Und Wasser haben wir in einem Schlauch und einem großen Behälter mit schwarzem Deckel, draußen auf der Terasse und in dieser Jahreszeit ist es immer warm. Zum Herbst hin wollen die Eigentümer Leitungswasser anschliessen lassen (ach ja, das Wasser kommt aus dem Bohrloch und es gibt einen Hahn auf der Terasse, im Haus selbst ist kein Wasser) und einen Abwassertank. Wir haben Isolationsmaterial besorgt, denn Dächer bestehen hierzulande nur aus etwas Holz und Dachziegeln. Dachpappe und dergleichen sind hier unbekannt. So können wir dann die hinteren Räume als Bad und Küche benutzen. Aber natürlich müssen wir erst ein bisschen Arbeit (und Geld) investieren. Aber dafür werden wir nicht viel Miete bezahlen müssen und Teil der Absprache ist, dass wir den beiden bei der Arbeit helfen und so einen Teil der Miete decken. (Klicke wieder auf das Bild weiter oben).

So, das war's für dieses Mal. Viele liebe Grüße von hier. Und wer immer uns besuchen kommen möchte, kann das gern tun, denn wir haben auch immer noch den Schlüssel vom anderen Haus.

Alles Liebe Andrea (und Mark)